• Unterwegs mit dem FC Lampedusa

    [dfd_heading enable_delimiter=“off“ title_google_fonts=“yes“ title_custom_fonts=“font_family:Open%20Sans%3A300%2C300italic%2Cregular%2Citalic%2C600%2C600italic%2C700%2C700italic%2C800%2C800italic|font_style:400%20regular%3A400%3Anormal“ style=“style_11″ title_font_options=“tag:h2″ subtitle_font_options=“tag:h1|font_style_italic:1″ subtitle=“NoBorder Tour 2016 | Zu Gast beim Husumer SV Team Nord Hafen“ heading_margin=“margin-bottom:20px;“ title_t_heading=““ subtitle_t_heading=““]Unterwegs mit dem FC Lampedusa[/dfd_heading]

    Dort wo das Dach aufhört prasselt der Regen auf den Asphalt des Bahnsteiges. Nur ein Mitarbeiter in seiner orangefarbenen Sicherheitsweste hebt sich ab vom diesigen Grau an diesem frühen Samstagmorgen. Andere schleichen mit müden Blicken an uns vorbei. Es ist kurz nach sieben Uhr. Vor der noch heruntergelassenen Fassade des Elektromarktes im Bahnhof Altona stehen ein paar Sporttaschen auf dem Boden. Füße drum herum.

    Eins, zwei, drei, vier… Noch sind nicht alle da. Von den nach und nach Ankommenden werde ich mit Handschlag begrüßt. …fünf, sechs, sieben… Sie zählt und hakt die Namen auf einer Liste ab. Legt den Notizblock zwischendurch immer wieder auf eine Tasche. FC Lampedusa Hamburg, klebt ein runder Sticker darauf. Klick. Nach meinem ersten Foto davon überdeckt sie den mit einem aktuellen. Aus Hamburg wurde St. Pauli. Aus dem Blau im Logo wurde braun. Aus der Assoziation Meer wurde Erde. Geerdet. Angekommen. Das ist der Wunsch.

    Als der Zug schließlich mit etwas Verspätung aus dem Bahnhof rollt, sind wir 20. Zwei Trainerinnen und 17 Jungs, Spieler des FC Lampedusa St. Pauli auf dem Weg nach Husum und ich. Heute zum ersten Mal dabei. Mit Kamera und Filmen im Rucksack.

    Der FC Lampedusa spielt im Rahmen seiner NoBorder Tour gegen den Husumer SV Team Nord Hafen. Dass die Partie gegen das Integrationsteam am Ende 1:6 ausgeht, ist nebensächlich. Der Gastgeber ist vor allem körperlich überlegen und das Spiel auf Großfeld und Rasen gewohnt. Die Hamburger zeigen aber immer wieder gute Ansätze, belohnen sich mit dem Ehrentreffer und bekommen Applaus von den Zuschauern, die inzwischen zahlreich an der Bande lehnen.

    Dem Freundschaftsspiel folgt ein gemeinsamer Nachmittag. Mit Sonne. Mit viel Lachen. Mit Krabbenbrötchen und Kuchen. Mit Selfies und Gruppenfotos. Und mit Döner auf dem Asphalt sitzend vor einem kleinen Stadtrundgang und einer herzlichen Verabschiedung am Bahnhof, als der Zug abends einrollt.

    Es ist ruhig im Abteil. Hier und da eine leise Unterhaltung. Etwas Musik. Einige der Jungs schlafen quer auf den Sitzen liegend. Zeit, den Tag zum ersten Mal etwas Revue passieren zu lassen. Zeit für Gespräche, die nicht vordergründig mit dem heutigen Spiel zu tun haben. Gespräche, die von den Jungs handeln, von ihren Geschichten. Von Flucht und Ankommen. Von der Ungewissheit einer drohenden Abschiebung. Gespräche, die davon handeln, dass sie diese Gedanken an einem Tag wie heute vergessen können.

    Mein Blick wandert zu den Schlafenden. Visuelle Eindrücke und Gesprächsfetzen vermischen sich. Manche so extrem gegensätzlich, dass es surreal wird.

    Selbst gehen. Als Letztes vor einer drohenden Zwangsabschiebung und der Verweigerung einer erneuten Einreise. Ein Alltag in ständiger Ungewissheit vorher. Integration mit immer wieder befristetem Aufenthalt im Hinterkopf.
    Jungs mit schmalen Schultern. Mit zum Teil traumatischen Erlebnisse in der alten Heimat und mit Strapazen während der Flucht nach Hamburg. Jungs, gerade erst angekommen, die hier zur Schule gehen, neue Freunde haben, die die Sprache sprechen, die Fußball spielen. Jungs, die Zukunftspläne haben. Sie müssen entscheiden, wann sie genau das wieder aufgeben.

    Wir haben ihnen gesagt, dass sie uns Bescheid sagen sollen, wann der Bus fährt. Dass wir uns wenigstens noch von ihnen verabschieden können. Sie schluckt und wird still.

    Um kurz nach zehn Uhr abends endet der gemeinsame Tag wieder am Bahnhof Altona. Mit Umarmungen zum Abschied bevor sich die Jungs ihre Taschen schnappen und in unterschiedliche Richtungen verschwinden. Bis zum nächsten Mal. Aber zwei von ihnen werden dann nicht mehr dabei sein. Weil der Bus abfuhr.

    17. September 2016
    Husum, Schleswig Holstein

    Husumer SV Team Nord Hafen vs.
    FC Lampedusa St. Pauli 6:1 (4:0)
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    FC Lampedusa St. Pauli | „We are here to play. We are here to stay.“ Fußballclub, seit August 2016 unter dem Dach des FC St. Pauli, mit Wurzeln im Viertel. Entstanden aus der Gruppe Lampedusa-Flüchtlingen, die im Winter 2012/13 Hamburg erreichten. Zugänglich für jeden, der Fußball spielen möchte. Dabei ist es unwichtig, wie die Jungs nach Hamburg gekommen sind, wie lange sie bleiben werden, ob sie offizielle Dokumente haben, oder nicht. Einmal wöchentlich trainieren sie unter Anleitung des Trainerinnenteams, spielen Turniere und Freundschaftsspiele, 2016 die NoBorder Tour gegen Integrations-Teams aus den unterschiedlichen Bundesländern. | WebseiteFacebookTwitter
    Husumer SV Team Nordhafen | Integrationsteam des Husumer SV seit Frühjahr 2016. „Fußball ist das Medium. Der integrative Spirit geht für alle Beteiligten weit darüber hinaus.“ | Webseite
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    Heimspiel. The Refugees Supperts Club | Initiative von 11Freunde, um Sportvereine in ihrer Arbeit für und mit Geflüchteten zu unterstützen. | Webseite
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